OLAFUR ELIASSON UND ZEITBLOM
.. am 24.4.2003 im » Lenbachhaus in München. Dank des E-Mail-Verteilers vom » Temporary Soundmuseum (ein Freund von Zeitblom) bin ich auf dieses Ereignis aufmerksam geworden. » Zeitblom - ein Name der irgendwie haften bleibt, der mich in Zusammenhang mit dem Titel Bioplex in Delay assoziativ interessiert. Also ab damit in den Terminkalender.

WER IST ZEITBLOM
Am Nachmittag suchte ich kurz und vergeblich nach MP3 Material von Zeitblom um mich nun entgültig für den Abend zu entscheiden - ich wankte. Doch dann fand ich Biographien und einen flüchtigen Bekannten aus seinen weit zurück liegenden Tagen als er mit seiner Band Sovetskoe Foto in Rosenheim lebte. Die Neugier war geweckt.

VIER STUNDEN AM STÜCK
...durchströmte Zeitblom mit feinen, schweren, lauten, leisen, kratzenden & schwebenden Klängen den gigantischen Schlauch - vergleichbar einer U-Bahnstation ohne Gleisanlagen. Er arbeitet zeitgemäß einfach mit einem Laptop an dem er eher selten dafür aber sanft in den laufenden Klang-Prozess eingreift um die Struktur in neue Richtungen zu driften. Für viele der doch älteren Gäste sicherlich eine ungewöhnlich Musik, die sich in der Frage eines Besuchers an den Musiker manifestierte: "Wann ändert sich denn da mal was?". Ich fand es klanglich angenehm und zur optischen Flut passend - wenn auch leider in keinster Weise damit synchronisiert.

DIE OPTISCHE FLUT
...des Dänen » Olafur Eliasson beeindruckt schon durch die schiere Dimension. Der tatsächlich künstlerisch, schaffende kreative Prozess ist nicht der Rede Wert. Es ist die Umsetzung einer kleinen Idee, die Herausforderung an die Technik und deren Realisierung in genau diesem Raum. 1350 Neonröhren in den Farben Rot/Grün/Blau sind zusammengeschaltet zu RGB-Modulen die über digitale Dimmer von einem Computerprogamm angesteuert werden. Die Neonröhren sind hinter einer Milchwand, so daß nur die Mischfarben zu sehen sind. Wenn alle Röhren angeschaltet sind entsteht ein strahlendes Weiß. So läßt sich sogar graues Licht und außer den knalligsten Farben (systembedingt eine stärke für Farben mit Rot) jeder beliebige Farbstich herstellen.

NOCH COOLER
Eine 30 Minuten dauernde Schleife spult sich ab und wer lange genug zuschaut findet die ein oder andere sich wiederholende markante Stelle. Der statische Ablauf verschenkt die vielen Möglichkeiten einer im besten Fall interaktiven Lichtwand z.B. per SMS Farben ausschütten. Wenn nicht interaktiv, so hätte es wenigstens spannend angelegt sein sollen. Aber egal.

FAZIT
Ein nicht zu kurz angesetzter Besuch lohnt sich in jedem Fall. Die lautlose Wucht der Farben an sich vorbeiziehen lassen, sich an den Enden auf den Boden setzen und in den Farbschlauch eintauchen, möglichst nahe an die Wand zu gehen und direkt hineinschauen (1 Meter Sicherheitsabstand einhalten) oder... auf der Suche diesen Farbrausch noch besser aufnehmen zu können. Im Purpur-Rot scheint der Raum zu verglühen, im gleißenden Weiß bleibt kurz ein roter Fleck - so wie der Sonnenpunkt wenn man kurz in die Sonne schaut und sofort die Augen schließt. Mit am schönsten sind die Momente der Beginn man nicht findet und sich plötzlich mittedrin in einer Farbwelle befindet. Wer dort war versteht genau was gemeint ist.
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