» JEAN MICHEL JARRE IN DER » PHILHARMONIE
Liebe Freude der ersten LPs von Jean Michael Jarre - allen voran Oxygene - die ihr dieses Konzert versäumt habt. Ihr tut mir leid. Doch seid nicht traurig. Ich werde euch trösten. Der David Copperfield der elektronischen Musik hat meiner Meinung nach vollends versagt. Denn:

· seine Solos waren extrem zu laut
· ihm fehlt jedes Empfinden zur Improvisation
· er spielt sinnlos mit den max. Höhen und Tiefen der Instrumente
· zu optischen Showzwecken spielt er musikalisch sinnlos auf dem Theremin
· er verwendet zu jeder Titelüberleitung den Oxygene-Rauschklang
· er und seine Mitmusiker verspielten sich eklatant häufig
· seine imporivisierten Tonhöhenänderungen und Klangverzerrungen sind reinste Folter

Tatsächlich wurde die Tonanlage der Philharmonie ausgebaut (Kosten 500 Euro) damit er seine eigens mitgebrachte 2-Kanal-Bananen-Tonanlage installieren kann. Seine Technik war allererste Sahne, aber die Konstellation und seine ebenfalls mitgebrachten Tontechniker für den Raum denkbar ungeeignet. Denn:

· der Klang war durchgehend breiig, verwaschen, mit heftigen Reflexionen
(ich habe andere Besucher befragt, um meine Verurteilung unabhängig von meinem Sitzplatz zu machen)
· bei Jarres mündlicher Einleitung schmerzten die Zisch-Laute in den Ohren
· die Abstimmung der Instrumentenlautstärken zueinander war ein Desaster
· der Verkauf von Karten, links außen, direkt vor den Boxen, die zusätzlich die Sicht auf die Leinwand versperrten, ist eine Frechheit

Die Kritiklosigkeit des Publikums war erschreckend. Nach dieser Tortur gab es doch tatsächlich stehende Ovationen für Herrn Jarre. Er bedankte sich leider mit einer Zugabe, zu der er sich erlaubte auf neuestes Equipment zurückzugreifen. Doch wieder kam genau das gleiche, an diesem Abend viel zu oft gehörte, Oxygene-Rauschen zum Einsatz.

Es hätte so schön werden können. Oder? Nun, meine Gespäche mit Konzertbesuchern und Insidern, die bereits auf andern Jean Michel Jarre Konzerten waren, haben ergeben, daß er an diesem Abend - im Vergleich - recht ordentlich gespielt hat. Ja du meine Güte! War er wohl doch immer "nur" ein Soundtüftler fürs Studio, in dem er seine Keyboard-Parts beliebig oft einspielen konnte, bis sie endlich mal paßten? Der Solokünstler mit dem Hang zum Exhibitionismus? Der sich auf all seinen, Plattencovern zeigt und auf » seinem Internet-Auftritt ständig sein Gesicht zeigen muss?

Es hätte so schön werden können. Oder? Die Gerätesammlung auf der Bühne war bestimmt einzigartig. Das Wagnis mit diesen alten instabilen Synthesizern so ein Konzert am Stück zu absolvieren beeindruckend, seine "alten" Klänge wieder zu finden, der Aufwand für all das... Irre! Doch behaupte ich, vier ambitionierte junge Künstler könnten Oxygene, besser und authentischer nachspielen. Leider würde der Konzertsaal wahrscheinlich gähnend leer bleiben. Der Nimbus eines Jean Michael Jarre erlaubt es, daß selbst der Schrott umjubelt wird.

Zum Abschluß ein Zitat von » Karsten Koch: "Jean Michael Jarre würde sich im Grabe umdrehen wenn er dieses Konzert hören könnte."

Übrigens ganz im Gegensatz zum Konzert: Die mit 3D-Brillen gelieferte HD-DVD mit der in 3D aufgenommenen Studio-Einspielung von Oxygene ist wirklich das was Jean Michel Jarre verspricht: » Oxygene - Live in Your Living Room . Da scheinen die Synthesizer ins Wohnzimmer zu kommen, da greift er zu den Reglern, so daß man etwas zurückschreckt, damit er auch wirklich drannkommt.
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