HAUSMUSIK FESTIVAL 2002
Die drei Labels Staubgold, Spezialmaterial und Morr Music aus dem Hausmusik-Vertriebsprogramm bestreiten mit ihren Künstlern beide Abende am 8. und 9.11.2002 im » Pathos Transport Theater. Mein Plattenteller und die Neuzugänge sprechen Bände wenn es um das Label » Morr Music geht - zuständig für den Samstag. Doch auch die beiden experimentelleren Label-Mitstreiter Staubgold aus Deutschland und Spezialmaterial aus der Schweiz, zuständig für den Freitag, sind für 1a-Kost bekannt.

INSTITUT FÜR FEINMOTORIK
Ich kam etws zu spät und verpaßte leider Reuber. Dachte ich zumindest. Doch zu dem - wahrscheinlich deutschlandweit - genialsten Musikereignis dieses Abends war ich früh genug da. Ein Tisch mit den Abmessungen einer Zimmertür stand direkt auf der Tanzfläche. Ein tiefschwarzes Tuch verdeckte die Sachen auf dem Tisch. Dazu ein Schild: "Bitte nicht draufsitzen!". Ein junger fast schlacksiger Typ kramte seine Wasserflasche unter dem Tisch hervor um noch einen Schluck zu nehmen und dann in aller Ruhe die Decke abzunehmen. Sage und schreibe 8!!! Turntables und 4 DJ-Mixer tauchten auf. Der Überraschung nicht genug, anstelle der Schonmatten auf den Plattentellern klebten Papiersterifen und diverse Klebebänder direkt auf den Metallplattentellen. Alle Headshells waren mit V-Stücken aus Holz geschützt. Er stellte die Schützer an die Gegengewichte und machte auch sonst allerlei Kleinigkeiten. Nun gesellte sich ein weiterer offensichtlich ebenfalls beteiligter Musiker dazu. Aus einer heruntergekommen Schachtel mit nackten CDs, deren Zustand ebenfalls übel aussah, wurden diverse CDs ausgesucht und passend zum Zustand behandelt. Was haben die mit den CDs vor? Ach ja: zwischen manche Plattenspieler wurden auch noch Haushaltsgummis gespannt. Jetzt war ich aber schon sehr gespannt.

Es tauchte ein angenehmer leicht auf- und abschwellender Ton auf. Woher nur? Das muß bereits hier irgendwo auf dem Tisch gemacht werden. Es dauerte noch ein Weilchen bis ich ungefähr verstanden habe wie das geht. In dem Augenblick wird eine CD auf einen Plattenteller geklebt. Ja warum das denn? Und dann kommt noch die Nadel auf die CD? Und dann fährt ein Techno-Beat ein... ??? Plattenspieler die CDs lesen? Nein. Vielmehr Nadeln unter denen sich CDs mit kleinen aufgeklebten Gewebeklebebänderfleckchen drehen. Deswegen auch die V-Stücke hinten an den Gewichten. Die Nadel selbst hätte keinen Links/Rechts-Halt und der Tonarm wird vom V-Stück in der Spur gehalten. Inzwischen liefen bereits mehrere divers beklebte CDs und der Beat wurde immer vertrakter. Die Menschentrauben um das Geschehen waren ebeso sichtlich beeindruckt und interssiert wie ich. Die oben erwähnten Haushaltsgummis dienten zum Einen dazu enorme Gleichlaufschwankungen zu produzieren und zum Anderen nahmen die Nadeln, die Kontakt mit den Gummis hatten deren Schwingungen auf. Im weiteren Verlauf wurden kleine Papierfetzen auf die Plattenteller geklebt. Immer wenn diese an den Gummis vorbeistreiften oder unten durchzupften, übertrug sich das mit besonderen Effekten auf die Nadel. Die aufgelegten Scheiben wurden immer abstruser. Gegen Ende kamen sogar zerknitterte Papierscheiben zum Einsatz. Ein Beat jagte den anderen, die Übergänge waren wunderbar nahtlos und das Publikum lobte zurecht mit frenetischem Applaus.

EKKEHARD EHLERS UND JOSEPH SUCHY
...folgten mit etwas zeitlicher Luft und wurde unterstützt von Mapstation. Ekkerhard Ehlers nahm bequem im Ledersessel aus den 60ern Platz. Mit dem Apple i-book auf dem Schoß und der Zigarette im Mund begann er genüßlich langsam Geräuschwolken zu produzieren. Leider hatte der Gitarrist die typische Einstellung sein Können teilweise mit wildem, auf jeden Fall aber mit fast unablässigem Gezupfe unter Beweis zu stellen. Furchtbar unpassend!

MAPSTATION SOLO
...stellte ich mir jünger vor. So was von brav gekleidet. Doch er legte schmackes in seinen Sound, beherrschte seine Gerätchen ordentlich und ließ mit kleinen unabsichtlichen Holperern schon mal spüren was da so alles live abging. Nur seine live gespielten Melodien (falls man die paar Noten überhaupt so nennen darf) patzten etwas. "...fand ich enttäuschend (sicherlich immer noch gut aber kein Vergleich zu dem was man von den Platten kennt)." » Bernd

KEINE AHNUNG
Was nach Mapstation folgte war ein Rauswerfer. Ein furchtbarer Soundbrei dem jegliche Substanz und Daseinsberechtigung fehlte. Keine Ahnung wer das war. Egal. Ich war müde und ging. Und wie ich jetzt erfahren habe war das der Eingangs gedachte Reuber.

SAMSTAG
Mit Manual aus Dänemark und ISAN aus England und... Herrmann & Kleine. Ihre Softwareprobleme waren ein Knaller. Das wird nicht jeder so empfunden haben. Tolle Beats zauberten die beiden da zusammen. Wer hierbei ruhig stehenblieb mußte taub sein. Plötzlich Stille! Nichts mehr zu hören - Softwareabsturz. Achselzucken bei den Musikern. Neustart. Das dauert... die Leute turnen dabei ab. Ein paar müde Beats setzen ein, doch sie steigerten sich zu einem atemberaubenden Inferno. Die Bude bebte samt allen Insassen. Plötzlich! ... Stille! Nichts mehr zu hören - Softwareabsturz. Ärger bei den Musikern. Einer schmiss die Sache hin. Der andere zupfte mal an der Gitarre um einen Neustart des Rechners zu überbrücken. Das Saal war voll abgeturnt. Müde Beats setzen ein. Und zum x-ten male verstand er es so lange am Beat zu fummeln, bis das Publikum begeistert mitgerissen wurde. Plötzlich! ... Stille! Nichts mehr zu hören - Softwareabsturz. Programm Ende. Übergabe an den DJ.
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